Die Welt bei uns zuhause – Fremdbilder im Alltag


Die Ausstellung geht diesem Phänomen nach und zeigt die Entwicklung des Fremdenbildes in unserer Gesellschaft am Beispiel des Alltagslebens auf. Grundlage sind hierbei die über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren in drei ethnologischen Projekten gesammelten schriftlichen und visuellen Äußerungen von Schülern und Schülerinnen verschiedener Altersstufen und Schultypen. Alle drei Projekte verliefen methodisch gleich, basierten auf unterschiedlichen inhaltlichen Ansatzpunkten und bezogen den jeweiligen politischen Hintergrund in den Zeiträumen 1979–1982, 1990–1992 sowie die gegenwärtige Situation 2003–2004 mit ein. In allen drei Projekten wurde Wert auf die Spontaneität der Aussagen gelegt, daher fanden keinerlei inhaltliche Vorbereitungen für die Schüler und Schülerinnen statt. Als Ergebnis wurde deutlich, dass sich das Fremdenbild vor dem Hintergrund gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Veränderungen und Strömungen der vergangenen 20 Jahre in unserer Gesellschaft zwar wandelt aber dennoch Bilder und Vorstellungen stereotyp gleich bleibend bestehen. Diese Tatsache spiegelt sich in den visuellen und schriftlichen Äußerungen der Schüler und Schülerinnen wider. Die Projektergebnisse 1979–1882 und 1990–1992 wurden bereits in jeweils eigenen Ausstellungen präsentiert:

1982: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Unsere Kinder sehen die "Dritte Welt".
1992: Was fällt Dir ein zu Afrika? Das Afrikabild bei Kindern und Jugendlichen.

Eine Auswahl der gesammelten Äußerungen der Schüler und Schülerinnen werden erstmals in dieser Ausstellung "Die Welt bei uns zuhause – Fremdenbilder im Alltag" zusammengeführt, präsentiert und ermöglicht einen Einblick in ihre Sichtweisen und Ansichten über fremde Menschen und ihre Kulturen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren werden Stereotype und Vorurteile, ihre Beständigkeit oder ihr Wandel, deutlich. Darstellungen und Gegenstände, deren Ursprünge in anderen Kulturen zu finden sind und die Einzug in unsere Lebenswelten gehalten haben, vervollständigen die Schau. Auf diese Weise werden nicht nur Mechanismen und Faktoren in der Vermittlung des Fremdenbildes deutlich sondern auch ihre Auswirkungen.

Kinder und Jugendliche können in aller Regel ihre Vorstellungen über Menschen und Kulturen in weit entfernten Ländern nicht aus eigener Anschauung und Erfahrung heraus entwickeln, sie unterliegen den Einflüssen aus der Erwachsenenwelt und reproduzieren das, was ihnen vorgegeben wird. Die Aussagen der Kinder lassen also Rückschlüsse auf Stereotype der Erwachsenenwelt zu und machten bestehende Vorurteile deutlich. Die Ausstellung will Anregungen zum Nachdenken und zur Überprüfung eigener Sichtweisen und deren Vermittlung an unsere Kinder geben. Sie soll ein kritischer Spiegel sein, der uns Fremdes nicht als selbstverständlichen exotischen Teil unserer Alltagskultur erscheinen lässt, sondern als das was es ist: das Produkt kulturellen Wissens und kultureller Erfahrungen von Menschen in uns unbekannten Lebenswelten und -situationen. Die Ausstellung trägt damit vielleicht dazu bei, dass ein respektvolles, menschliches Miteinander trotz kultureller oder auch religiöser Unterschiede größere Chancen bekommt.